DIE VISCOSISTADT IST BEREIT FÜR DIE ÖFFNUNG UND DEN WANDEL

Der Wandel und die Öffnung der Viscosistadt zum Werk-, Denk- und Kulturplatz nimmt Gestalt an. Im Herbst ziehen 350 Studierende und 100 Mitarbeitende der Hochschule Luzern – Design & Kunst in den «Bau 745». Am Wochenende vom 23. und 24. September findet ein grosses Eröffnungsfest für die Bevölkerung statt. 

Nicht nur der «Bau 745», der Hochschule Luzern – Design & Kunst wurde neu beschriftet. Auch die Strassen und Plätze in der Viscoistadt haben neue Namen erhalten. Foto: Randy Tischler.

Drei Jahre wurde geplant und 18 Monate gebaut. Nun ist es fast so weit. Der «Bau 745» ist fertig erstellt und bereit für den Einzug der Hochschule Luzern – Design & Kunst. Nach den Sommerferien wird im ehemaligen Industriegebäude studiert, gelehrt und geforscht. Die Investitionskosten von rund 24 Mio. Franken trägt die Viscosistadt AG. Die Hochschule Luzern bezieht das Gebäude mit einem Mietvertrag über 20 Jahre. Verantwortlich für die architektonische Gestaltung des Industriegebäudes war das Architekturbüro EM2N aus Zürich. Ende Mai wurde das Gebäude der Mieterschaft übergeben. Am Wochenende vom 22. und 23. September findet die offizielle Eröffnung des neuen Hauptsitzes der Hochschule Luzern  – Design & Kunst statt mit einem Tag der offenen Türe.

Der Einzug in die Viscosistadt wird am 23. und 24. September mit einem Eröffnungsfest gefeiert.

Verbunden mit dem Einzug der Studierenden ist auch die Öffnung der Viscosistadt. Ab diesem Zeitpunkt ist die einst «geschlossene Stadt» auch für die breite Öffentlichkeit frei zugänglich. Die Barriere an der Gerliswilstrasse wird abgeräumt. Zusätzlich werden zwei weitere Zugänge zum Areal geschaffen. Eine Arbeitsgruppe mit Mietern der Viscosistadt wird sich zudem mit dem damit verbundenen Kulturwandel beschäftigen. Es geht darum Ängste, Wünsche, Chancen und Risiken frühzeitig zu erkennen und zu thematisieren. Bereits im vergangenen Winter haben die Strassen und Plätze neue Namen erhalten. 

Sie heissen nun Fadenstrasse, Spinnereistrasse, Polymerstrasse und Nylsuisseplatz. Zum nächsten Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2016 wird zudem die Bushaltestelle «Central» neu benannt. Sie heisst dann Viscosistadt. Ebenfalls im Herbst wird auch der Emmenpark fertig. Er befindet sich direkt hinter dem «Bau 745». Im Mai haben die Bauarbeiten dazu begonnen. Der Park wird ähnlich wie eine Flussterrasse gestaltet. Besucherinnen und Besucher erhalten über Treppen Zugang zum Wasser. Zentraler Aufenthaltsort ist das abgestufte Klärbecken, welches auch als Sitzgelegenheit dient und dessen gekieste Fläche zu verschiedenen Freizeitaktivitäten einladen. Die schrittweise Eröffnung des 5500 Quadratmeter grossen Erholungsraumes erfolgt ab Mitte September. Die Bäume werden im November gepflanzt, richtig grün im neuen Emmenpark wird es allerdings erst im Frühling 2017 sein. Ebenfalls diesen Herbst ist das Theater Luzern zu Gast in der Viscosistadt. Es spielt in der ehemaligen Pilothalle, in der früher industriell und im mehrschichtbetrieb Garne und Verfahren entwickelt wurden die Oper Rigoletto von Giuseppe Verdi. Nach dem Ende der 16 Vorführungen wird die Pilothalle, die während einiger Monate als spannender Theaterraum dient, abgerissen.

Flyer Eröffnungsfest am 23. und 24. September

BILDER VOM UMBAU DES «BAU 745»
FOTOS RANDY TISCHLER

LEBENDIGES
QUARTIER

Eine Stärke des Areals ist seine Vielfalt an Bauten und Aussenräumen. Kleine und grosse Bürogebäude, Industriegebäude, Lagergebäude und Shedhallen werden mit reinen Wohnbauten ergänzt. Das Resultat ist eine komplette Sammlung städtischer Bautypen. Aussenräume werden zu Stadtplätzen, Strassen und Gassen. Im Inneren der Bebauung entstehen ruhige Hofräume, während der parkartige Flussraum das Areal an die Emme bringt. Als Ganzes entsteht ein lebendiges Stadtquartier.

Die Viscosistadt mit dem Emmenpark (vorne).

DIE STADT
AM FLUSS

In Emmen mangelt es an öffentlichen Freiräumen. Die Gemeinde liegt heute noch beziehungslos an der Kleinen Emme. Die Viscosistadt bietet nun die historische Chance, dies zu ändern.

Hier, im zukünftigen Herzen von Emmen, kann die Kleine Emme zu einem Teil des Stadtraums werden. Ein natur- und wassernaher Grünraum bringt Emmen an seinen Fluss und wertet das Zentrum auf.

Urbanes Wohnen am wilden Flusspark (Fotomontage).

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ZUM ZIEL IN KLEINEN SCHRITTEN

Die Qualitäten des Areals – der Industriecharme und die Altstadt-Struktur – sollen erhalten bleiben. Gleichzeitig soll dort ein lebendiges, vielfältiges Stadtquartier entstehen, wo Wohnen, Arbeiten, Bildung und Kultur nebeneinander Platz haben. Dieses Ziel erreicht man schrittweise.

ETAPPEN BRINGEN QUALITÄT

Die Viscosistadt soll auch langfristig lebendig und vielfältig sein. Deshalb wird das Areal pragmatisch in kleinen Schritten entwickelt. Auch der Immobilenmarkt verändert sich. Mit der Etappierung kann auf Marktveränderungen flexibel reagiert werden. Auf diese Weise erreichen wir eine hohe, städtebauliche Qualität.

Ein geglückter Start ist bedeutend für eine gute Entwicklung. Der Entwicklungsbereich A setzt Akzente, damit ein stabiler Zwischenstand auf dem Areal erreicht werden kann. Dazu gehört in einem Schritt der Umbau von «Bau 745». Im Sommer 2016 wird dort ein Teil der Hochschule Luzern Kunst & Design einziehen. 

Der Entwicklungsbereich B
erhöht den Wohnanteil auf dem Area und trägt zur Belebung des Quartiers bei.

Entwicklungsbereiche.

GEWACHSENER STADTTEIL STATT EINHEITSBREI

Die Viscosistadt soll zu einem gewachsenen Stadtteil werden. Heute schon sind die Gebäude unterschiedlich hoch und gross. Gewünscht ist ein organisches Weiterwachsen, ein selbstverständliches Nebeneinander von Alt und Neu.

Der Trick, dies zu erreichen: eine kleinteilige Aufteilung in Einzelobjekte. Heute sind die Monosuisse AG (84'000 m2) und die Gemeinde Emmen (5'000 m2) Eigentümerinnen der gesamten Bebauungsfläche. Diese soll in relativ kleine Realisierungseinheiten aufgeteilt werden. Zukünftige Eigentümer realisieren so ihr eigenes Objekt. Die Leitlinien setzt der Bebauungsplan. So wächst ein städtebaulich geordnetes, aber differenziertes Gesamtbild.

Der Objektplan ermöglicht ein Wachstum in Schritten.

VIELFÄLTIGE NUTZUNGEN

Entstehen soll eine Nutzungsdurchmischung, wie man sie von attraktiven Stadtquartieren kennt, mit Wohnen, Schulen, Gewerbe, Büro, Gastronomie, Kleinhandel und Kultur. Auch ein Hotel ist denkbar.

Die Erdgeschosse sollen mehrheitlich mit kulturellen, gastronomischen, kommerziellen und serviceorientierten Nutzungen belegt werden – das kann beispielsweise eine Quartierbeiz neben einer Bank sein, ein Lebensmittelhändler neben einer Galerie.

Im Kern soll die Viscosistadt weiterhin ein Industriestandort sein – der sich aber zum Denk- und Werkplatz weiterentwickelt. Daneben gibt es aber auch Platz für Wohnnutzungen: Denn wo gewohnt wird, dort findet auch Leben statt. Geplant ist ein Wohnanteil von bis zu 50 Prozent.

Wohnanteil (grün) von rund 50 Prozent.

MEHR ALS DER DENKMALSCHUTZ VERLANGT

Teile der heutigen Bauten werden als schützenswert oder erhaltenswert eingeschätzt und sind in das Bauinventar der Gemeinde Emmen aufgenommen worden. Das Projekt (bzw. der Masterplan) berücksichtigt dies vollumfänglich. Es will sogar einen Schritt weiter gehen und versucht, Bausubstanz zu erhalten, um den Charakter des Areals organisch weiterzuentwickeln.

Die schützenswerte Fassade des Produktionsgebäudes der Monosuisse AG.

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DER AUSSENRAUM UND
DER VERKEHR

Ein industriell geprägtes Areal mit städtischen Strassenräumen trifft auf einen grünen Flusspark. Nur berechtige Anstösser und Zubringer dürfen das Areal befahren.

URBANE BEBAUUNG
TRIFFT AUF
GRÜNEN PARK

Die Beläge der Strassen sind vorwiegend hart und verlaufen von Fassade zu Fassade, im Zentrum der Bebauung dient ein Platz mit Bäumen als Begegnungsort. Wer in die Innenhöfe schaut, entdeckt begrünte, individuelle Rückzugsorte.

Der Park an der kleinen Emme gliedert sich in drei Bereiche: in Parkterrassen mit Bäumen und Rasenflächen für Sport und Aufenthalt, in wilde und naturnahe Flussterrassen, wo die Kleine Emme spürbar wird und in Plätze, auf denen Natur und Bebauung sich treffen.

Strassen, Plätze und Höfe der Viscosistadt.

BESTENS ERSCHLOSSEN MIT DEM ÖV

Das Areal ist mit dem öffentlichen Verkehr bestens erschlossen: Bushaltestellen und Bahnhof sind in maximal drei Minuten erreichbar.

Innerhalb des Areals soll so wenig Verkehr wie möglich zirkulieren, der Durchgangsverkehr wird verhindert. Die unterirdischen Parkplätze sollen auf dem kürzest möglichen Weg erreicht werden.